In diesem Glossar zum Flüchtlings- und Durchgangslager Uelzen-Bohldamm führen wir Menschen auf, die durch ihr Wirken Einfluss auf das Leben im Lager genommen haben.

Die Liste wird stetig weitergeführt.

Heinrich Albertz | „Flüchtlingsminister“

Aufgrund des Einwirkens von Albertz beschloss der niedersächsische Landtag, das Bohldamm-Lager am 9.7.1949 zu schließen, um den Druck auf die Nachbarländer zu erhöhen. Am Eingangstor des Lagers wurde ein Schild angebracht, auf dem folgendes zu lesen war:

Geschlossen vom 9. Juli 1949, 24.00 Uhr an

Das zentrale Flüchtlings-Durchgangslager Uelzen-Bohldamm ist am 9.7.19419 umn 24 Uhr beschlossen worden. Der niedersächsische Flüchtlingsminister Albertz erklärte dazu am Freitag:

Ein Bekenntnis für das Asylrecht bleibt so lange eine leere Deklamation. als man nicht bereit sei, auf britischer und deutscher Seite praktische Konsequenzen daraus zu ziehen. Die mangelnde Bereitschaft westdeutscher Landesregierungen zu einem Flüchtlingsausgleich zwang zu dieser Maßnahme, die im Interesse der Flüchtlinge und des Landes Niedersachsen geschah. – Zitat S. 41 Schrift zum Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm.

1952 wurde mit schwedischer Hilfe ein Mutter-Kind-Heim am Bohldamm außerhalb des Lagers errichtet. Ein Jahr später kam ein zweites Haus, das sogenannte Eva-Haus, dazu. Das Bauvorhaben wurde damit begründet, dass Mütter oft abgewiesen würden, die dann nicht wüssten, wo sie bleiben sollen. Diese Mütter sollten Aufnahme finden und möglichst schnell aus der besonders unerträglichen und schädlichen Lageratmosphäre mit seinen Massenunterkünften herausgebracht werden. Schwedische Freunde des beteiligten Evangelischen Hilfswerkes hatten Holzbauteile um Wert von 17.000 Mark nach Uelzen geschickt.

Die Unterstützung von schwedischer Seite war wohl hauptsächlich aufgrund der regen wie rührigen Initiative der in Hamburg geborenen schwedischen Schriftstellerin Eva Grovenius zustande gekommen. Ein wichtiger Anstoß für ihre Initiative war die Verwunderung darüber gewesen, wie in Deutschland mit Müttern umgegangen würde.

Sie sammelte unermüdlich Geld in schwedischen Kirchengemeinden, war in ständigem Kontakt mit den deutschen Stellen und damit auch über die Umsetzungsarbeiten informiert.